INFOS
Für Eltern

Sie interessieren sich für Medien im Kindergarten? Oder Ihr Kind nimmt bereits an dem Ziki-Projekt teil? Hier finden Sie Zusatzinformationen für die Eltern.

Auch Eltern, deren Kind bei Ziki mitgemacht hat, kommen hinterher immer wieder zu dem Schluss: Das Projekt ist ein sehr gutes Angebot zur Sprachförderung. Eltern können das unterstützen, indem sie auch zu Hause mit ihrem Kind in der Zeitung blättern. Lassen Sie sich überraschen, wie viel Gesprächsstoff die Zeitung dabei bietet. Zu Projektbeginn erhalten alle Eltern eine Begleitbroschüre.

Stimmchen und ein Fotograf im Kindergarten

Jede Ziki-Gruppe wird mit dem Zeitungsmaskottchen Stimmchen fotografiert. Der Besuch von Stimmchen ist für die meisten der Höhepunkt des Projektes und die Kinder freuen sich, wenn später ihr Gruppenbild in der Zeitung erscheint. Damit wir Ihr Kind fotografieren dürfen, brauchen wir Ihr Einverständnis. Die Einverständniserklärung erhalten Sie von Ihrem Kindergarten.

Einführungsveranstaltung

Zur Einstimmung auf die Ziki-Projektwochen laden die Heilbronner Stimme und AIM zu einer Auftaktveranstaltung bei der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken ein. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher aus den teilnehmenden Kindergärten sind zu der Informationsveranstaltung willkommen. Sie haben Gelegenheit, ins Gespräch mit den Projektverantwortlichen der Heilbronner Stimme, AIM und MCT zu kommen und erhalten Informationen zum Projekt sowie zur Umsetzung zu Hause und in den Kindergärten. Außerdem gibt es einen Fachvortrag. Die Auftaktveranstaltung für Ziki 2026 findet am Donnerstag, 22. Oktober, statt. Über die Anmeldemöglichkeit informieren wir rechtzeitig im Vorfeld.

Infos zum Ziki-Projekt für Eltern

Hier finden Sie die neuen Infoblätter für Eltern zum Ziki-Projekt in deutscher, englischer, arabischer, türkischer, russischer, persischer und ukrainischer Sprache.

Deutsch | Englisch | Türkisch | Russisch | Arabisch | Ukrainisch | Persisch

Kostenloses Elternabo der Tageszeitung

Während des Projekts macht die Heilbronner Stimme Nichtabonnenten ein kostenloses Angebot: Wir liefern auf Wunsch die Heilbronner Stimme, die Hohenloher Zeitung oder die Kraichgau Stimme unverbindlich an Ihre Privatadresse. Auf diese Weise wollen wir allen Eltern ermöglichen, gemeinsam mit ihren Kindern bei Ziki mitzumachen: So können Sie Ihrem Kind auch die tägliche Ziki-Geschichte in der Zeitung vorlesen. Die Lieferung endet automatisch mit dem Ziki-Projekt. Sie müssen nichts weiter unternehmen.

Podcasts

Das Zeitungsmaskottchen Stimmchen begleitet die Ziki-Kinder durch das Projekt. Mit drei kurzen Geschichten zum Anhören in der Gruppe tauchen die Kinder noch tiefer ein in Stimmchens-Zeitungswelt. Die Hörgeschichten setzen Anreize für Gespräche (stellen Sie den Kindern Fragen zur Geschichte!) und motivieren zu einer gemeinsamen Aktion Ihrer Ziki-Kinder. Wir empfehlen Ihnen, in jeder Woche gemeinsam eine Geschichte anzuhören und mit der ersten zu beginnen, nachdem die Kinder die Zeitung ein wenig kennenlernen konnten und dort das Stimmchen gesehen haben.

Folge 1:

Im ersten Teil lernen die Kinder Stimmchen kennen: Sie erfahren, dass es nicht spricht, in der Kinderredaktion der Zeitung zu Hause ist und die Ameise Aimy zur Freundin hat. Die ist auch ein Maskottchen – und bei der AIM Akademie zu Hause. Am Ende werden die Kinder ermuntert, Buchstaben in der Zeitung zu suchen und damit ihre eigenen Namen auf einen großen Karton zu schreiben.

Folge 2:

Im ersten Teil lernen die Kinder Stimmchen kennen: Sie erfahren, dass es nicht spricht, in der Kinderredaktion der Zeitung zu Hause ist und die Ameise Aimy zur Freundin hat. Die ist auch ein Maskottchen – und bei der AIM Akademie zu Hause. Am Ende werden die Kinder ermuntert, Buchstaben in der Zeitung zu suchen und damit ihre eigenen Namen auf einen großen Karton zu schreiben.

Folge 3:

Im ersten Teil lernen die Kinder Stimmchen kennen: Sie erfahren, dass es nicht spricht, in der Kinderredaktion der Zeitung zu Hause ist und die Ameise Aimy zur Freundin hat. Die ist auch ein Maskottchen – und bei der AIM Akademie zu Hause. Am Ende werden die Kinder ermuntert, Buchstaben in der Zeitung zu suchen und damit ihre eigenen Namen auf einen großen Karton zu schreiben.

Folge 4:

Im ersten Teil lernen die Kinder Stimmchen kennen: Sie erfahren, dass es nicht spricht, in der Kinderredaktion der Zeitung zu Hause ist und die Ameise Aimy zur Freundin hat. Die ist auch ein Maskottchen – und bei der AIM Akademie zu Hause. Am Ende werden die Kinder ermuntert, Buchstaben in der Zeitung zu suchen und damit ihre eigenen Namen auf einen großen Karton zu schreiben.

Interviews zu Sprechanlässen, Sprachbildung und Medien

Sprachbildung und Sprachförderung sind zentrale Themen der aim. Dies ist einer der Gründe, warum die aim das Projekt Ziki seit Jahren unterstützt. Wird die Zeitung im pädagogischen Alltag gezielt eingesetzt, lassen sich damit viele Sprechanlässe schaffen. Diese sind eine wichtige Grundlage für Sprachbildung und Sprachförderung. Bei den Auftaktveranstaltungen des Projekts referieren regelmäßig Expertinnen und Experten der Frühpädagogik zu aktuellen Themen der Sprachbildung. Hier geht es zu den Interviews der letzten Jahre.

Es sollte das Einfachste auf der Welt sein: Lernen. Denn Kinder sind erst mal per se neugierig. Und die Erwachsenen hirnen seit Jahrzehnten darüber, wie man diesen neugierigen Menschen das viele Wissen auf der Welt am besten nahebringen kann. Leider läuft im Bildungsland einiges daneben. Oft werde das Scheitern organisiert, nicht der Lernerfolg, sagt die Heidelberger Bildungswissenschaftlerin Professorin Dr. Anne Sliwka.

Kinder, die nicht in Klasse 2 versetzt werden. Pisa- und Iglu-Studien, die Schülern Mängel in grundlegenden Fertigkeiten attestieren. Was läuft schief, dass viele Kinder schon früh auf ihrem Weg durchs Bildungssystem scheitern?

Anne Sliwka: Ich denke, wir brauchen eine bessere Vorbereitung auf den Schulstart. Das könnte entweder durch ein letztes verpflichtendes Kita-Jahr mit einem gezielten Bildungsplan und Diagnostik geschehen oder durch ein vorgeschaltetes Grundschuljahr, wie es international weit verbreitet ist. Wir haben eine sehr heterogene Bevölkerung, die Kinder kommen mit unterschiedlichen Kenntnisständen in die Grundschule. Die kann diese Heterogenität nicht angemessen auffangen. Man denkt da gleich an zugewanderte Kinder. Aber auch in der deutschen Bevölkerung gibt es viele Kinder mit Rückständen in der Sprachentwicklung, zum Beispiel weil in ihren Familien zu wenig mit ihnen gesprochen oder nicht vorgelesen wurde.

Sie sagen, Kindern fehlt oft schon die Grundlage, um überhaupt eine Sprache erlernen zu können.

Sliwka: Wir Menschen haben für die Dinge, die wir wahrnehmen und empfinden, sprachliche Begriffe geschaffen. Diese Begriffe sind aber nicht die Wirklichkeit selbst. Hinter ihnen liegt eine komplexe Lebensrealität. Um Sprache zu erwerben, müssen Kinder diese Wirklichkeit erleben und verstehen. Sie müssen also Phänomene, die sie sprachlich benennen sollen, auch wirklich kennen. Ein Beispiel: Kinder sollen in der zweiten Klasse ein Diktat schreiben, in dem es um einen Schneemann geht. Aber wenn sie noch nie Schnee gesehen haben, keinen Schneemann gebaut haben und nicht wissen, dass Schnee kalter Zustand von Wasser ist, fehlt ihnen das notwendige Verständnis. Sie können das Wort nicht richtig schreiben und anwenden.

Das ist dann also beim Lernen einer Sprache wie das Auswendiglernen eines nicht endenden Textes, der keinen Sinn macht. Das muss unglaublich anstrengend sein?

Sliwka: Absolut! Das Lernen wird dadurch extrem anstrengend und kann aus lerntheoretischer Sicht auch gar nicht richtig funktionieren. Sprache und Wirklichkeit müssen miteinander verknüpft werden. Wenn die Kinder keine Bilder oder Erfahrungen zu den Begriffen haben, bleiben diese abstrakt und leer. Je abstrakter ein Begriff, desto unmöglicher wird es für die Kinder, ihn zu verstehen, anzuwenden und zu schreiben.

Wie schaffen wir es, dass Kinder sich diese Tiefenstruktur, die einem Begriff wie Schneemann zugrunde liegt, erschließen können?

Sliwka: Ein Schlüssel ist, viel Erfahrungswissen in Kita und Grundschule zu vermitteln: rausgehen in den Park, den Wald oder auf den Markt und darüber sprechen, was man da sieht. Auf dem Markt einen Apfel aufschneiden, zusammen essen, über den Geschmack sprechen. Was auch extrem wirksam ist, ist gutes Vorlesen von Bilder- und Kinderbüchern. Kinder, denen zwischen einem und sechs Jahren viel vorgelesen wurde, haben einen enormen Vorsprung in ihrem Weltwissen und ihrem Wortschatz und einen deutlich leichteren Start in der Schule. Leider gibt es viele, denen nicht vorgelesen wird.

Warum ist Vorlesen so effektiv?

Sliwka: Vorlesen ist besonders effektiv, wenn es interaktiv geschieht. Das bedeutet, dass man beim Vorlesen immer wieder innehält und Fragen stellt. „Habt ihr schon mal einen Schneemann gebaut?“ oder „Was glaubt ihr, passiert als Nächstes?“ So wird das Denken der Kinder angeregt, und sie verknüpfen die Geschichte mit ihren eigenen Erfahrungen.

Bei Ziki gibt es auch viele praktische Ansätze: Die Kinder spielen zum Beispiel Journalisten nach. Ist das vergleichbar mit dem, was Sie meinen?

Sliwka: Ja, absolut! Ziki ist ein wunderbares Beispiel für „hands-on learning“. Die Kinder lernen mit allen Sinnen, indem sie selbst aktiv werden – sei es durch Basteln, Schreiben oder das Nachspielen vom Zeitungmachen in einer Zeitungsredaktion. Das Nachspielen von Erfahrungen ist ein wichtiger Mechanismus, wie Kinder sich die Welt aneignen.

In Kanada haben Sie bei Ihren Forschungen gesehen, dass Kindergärten mit ganzen Bibliotheken voller Bücher ausgestattet werden. Digitale Medien verdrängen dort also nicht das Papier.

Sliwka: In Kanada hat man festgestellt, dass Kinder sich besser konzentrieren, wenn sie Bücher lesen oder vorgelesen bekommen. Diese Bibliotheken sind auch Orte der Ruhe und des Rückzugs, die den Kindern helfen, sich zu konzentrieren und ihre Selbstregulation zu entwickeln. Digitale Medien können sehr hilfreich sein, aber wir müssen sie kontrolliert einsetzen. Zu viele digitale Reize erschweren es Kindern, sich auf eine Sache zu konzentrieren, was sich auch auf ihre emotionale Kontrolle auswirkt.

Zur Person (Stand 2025)

Prof. Dr. phil. Anne Sliwka ist seit 2013 Lehrstuhlinhaberin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg. Die 1969 in Rheinland-Pfalz geborene Bildungswissenschaftlerin forscht zu Lehr- und Lernmethoden in anderen Ländern, so in Kanada. Sie bemängelt die Abhängigkeit des Schulerfolgs von sozialer Herkunft im deutschen Bildungssystem und empfiehlt, Kindern nicht nur Theorie zu vermitteln, sondern ihr Lernen an praktische Erfahrungen zu koppeln.

Was halten Sie davon, wenn Eltern kritisch sind, ihr Kind vor zu frühem Kontakt mit digitalen Medien schützen wollen und lieber aufs klassische Buch setzen als zum Beispiel auf die Lern-App?

von Albedyhll:
Wo die Eltern recht haben: Die Entwicklung digitaler Medien vollzieht sich viel schneller als es zum Beispiel bei den Buchmedien der Fall war. Eltern, Fachpersonal und auch die Forschung wissen sehr wenig über die Auswirkungen oder wie man sich richtig verhalten soll. Oft ist es auch so, dass die Eltern gar nicht so viel Medienkompetenz haben, um kompetent mit den Geräten umgehen zu können oder ein sicheres Umfeld für die Kinder zu schaffen. Vor diesem Hintergrund ist der Impuls natürlich richtig, zu sagen, ich verlasse mich auf die Dinge, bei denen ich weiß, was passiert.

Diese Skepsis haben die Eltern nicht, die schon ihrem Vorschulkind das Tablet in die Hand geben.

von Albedyhll:
Die haben insofern recht, weil Kinder heutzutage zwangsläufig über kurz oder lang mit digitalen Medien in Kontakt kommen. Selbst wenn Eltern versuchen, einen Schutzraum zu errichten, ist es trotzdem so, dass die Kinder Freunde besuchen, sie sind im öffentlichen Raum unterwegs, sehen Personen an diesen Geräten. Sie sind ja nicht in einer Blase.

Aber dem Kind einfach ein Smartphone zu geben reicht ja nicht.

von Albedyhll:
Daher ist es notwendig, dass Kinder frühzeitig lernen, wie sie sicher und kompetent mit diesen Medien umgehen können. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Kinder mit Medien in Berührung kommen sollten, sondern wie sie es tun und wie sie dabei unterstützt werden können, Medienkompetenzen zu entwickeln.

Die da wären?

von Albedyhll:
Ein Faktor bei Medienkompetenz ist natürlich: Wie mache ich das Gerät an und wie finde ich meine Sendungen? Wie gehe ich mit einer App um, wie mit Maus und Tastatur, wie tippe ich auf einem Touchscreen? Aber das ist nur ein ganz kleiner Teil, wenn wir von Medienkompetenz sprechen. Es geht für Kinder auch darum zu sehen, was ist toll, was macht mir Spaß – und was tut mir andererseits nicht gut? Etwa wenn ich zu lange herumsitze. Oder: Wie gestalte ich selbst Medien – zum Beispiel Fotos. Und wenn ich das mache: Wo sind dann Gefahren, wenn ich meine Produkte öffentlich zeige?

Das ist dann aber schon ein Thema für ältere Kinder?

von Albedyhll:
Gesundheitserziehung machen wir ja auch schon im Vorschulbereich: Welches Lebensmittel ist gut für mich, welches nicht? Mit den Digitalmedien funktioniert es nicht anders. Wenn eine Kita zum Beispiel Fotos macht, die Eltern über eine App zur Verfügung gestellt werden, kann man die Kinder einbinden, indem man ihnen einmal zeigt: Wir machen Fotos mit euch, wollt ihr, dass die Eltern diese Fotos sehen? Da geht es schon los mit den Grundlagen des Datenschutzes und dem Recht am eigenen Bild. Das sind ganz grundlegende Sachen, die Kinder schon früh mitentscheiden können, und wodurch sie merken: Aha, es ist wichtig, über die Bedeutung dieser Bilder nachzudenken.

Bei unserem Stimme-Medienprojekt Ziki lernen Vorschulkinder drei Wochen lang das Medium Zeitung kennen – diese Form der Medienbildung funktioniert seit zwölf Jahren hervorragend, allerdings ist die Zeitung auch aus Papier. Wann fängt man sinnvollerweise mit digitaler Medienbildung an?

von Albedyhll:
Es gibt keine feste Regel, ab welchem Alter Kinder mit digitalen Medien in Kontakt kommen sollten. Zum Beispiel können Videotelefonie mit Verwandten oder bestimmte Apps für Vorschulkinder sinnvoll sein, da sie interaktive und kontrollierte Erfahrungen bieten können. Wichtig dabei ist, dass Eltern ihre Kinder begleiten und aktiv an der Mediennutzung teilnehmen. Habe ich Eltern, die dazu bereit sind, sich mit mir hinzusetzen und die Inhalte mit mir anzusehen? Habe ich als Kind die Chance, beim Video auch mal eine Pause zu machen und darüber zu sprechen, was hier gerade passiert? Je intensiver die Begleitung ist, umso früher kann die Mediennutzung ansetzen. Dann steht das Kind dem Fernseher oder dem Digitalmedium nicht allein gegenüber, sondern dann sind wir in einer pädagogischen Vermittlungssituation, in der wir über das Medium reden.

Das heißt aber auch, wir Erwachsenen müssen uns mit digitalen Medien befassen?

von Albedyhll:
Wir sollten es. Denn die Kinder werden es – mit oder ohne uns.

Sie zeigen Ihren Studierenden, wie man Kindern ein gesundes Aufwachsen ermöglicht, sie dabei begleitet und unterstützt. Da denkt man zuerst an Erziehung und Betreuung. Was aber haben Bio, Mathe und Physik damit zu tun?

Professorin Dr. Annette Schneider:
Zum gesunden Aufwachsen gehört auch Bildung. Und da spielt der naturwissenschaftliche Bereich eine ganz große Rolle. Kinder beobachten ihre Umwelt. Sie bekommen naturwissenschaftliche Phänomene mit, sei es ein Regenbogen oder wenn das Wasser dampft, sobald die Mama Nudeln kocht. Das sind Dinge, die Kinder ganz naiv und ganz ohne Wissen entdecken. Dabei kreieren sie sich ihre eigenen Erklärungen, warum etwas ist, wie es ist.

Und das kann man nutzen, um den Kindern Sprache näher zu bringen?

Schneider
: Wir brauchen zum Beantworten von Naturphänomenen und der Warum-Fragen der Kinder alles, was uns unsere Sprache zur Verfügung stellt: Zeiten, Präpositionen – das ganze Repertoire. Dadurch, dass die Kinder dabei etwas tun, hat die Sprachvermittlung nicht den schulischen Aspekt des Übens. Es passiert ganz nebenbei, ohne das Gefühl: Ich muss jetzt was lernen. Auch lernpsychologisch ist das gut. Ich höre etwas. Ich sehe etwas. Ich tue etwas. Da werden also gleich drei unterschiedliche Hirnregionen verknüpft. So werden die Inhalte nachhaltigerim Gehirn abgespeichert.

Konkret sieht das dann so aus wie bei Ihrem Experimentiertag, den Sie in Heidelberg anbieten. Da kommt schon mal der Hort Drachenburg mit 25 Kindergartenkindern zu Ihnen und darf Versuche zu Vulkanen oder Magnet-Autos machen. Worauf kommt es bei solchen Experimenten an, damit nicht alles nur ein Wow-Erlebnis wird?

Schneider:
Wiederholung ist wichtig. Wenn ein Kind etwas nur sieht, speichert es die Informationen irgendwo ab. Einen Lerneffekt habe ich erst, wenn ich für das Kind verständlich mache, was es sieht, also mit ihm darüber rede und es dokumentiere – indem das Kind es malt oder ich ein Foto mache. Wir erstellen bei unserem Experimentiertag auch immer ein Forscherheft, so dass die Kinder etwas haben, das überdauert, das sie immer wieder anschauen und auch mit den Eltern besprechen können. Je mehr Wiederholung, desto besser bleibt es in Erinnerung.

Worauf sollten Erzieherinnen beim Ziki-Projekt achten?

Schneider:
Es ist wichtig, dass die Fachkräfte, die an Ihrem Zeitungsprojekt teilnehmen, sich vorher im Team zusammensetzen und überlegen, warum machen wir das? Was ist unser Ziel?
Was wollen wir erreichen? Und während des Projekts sollten sie immer wieder reflektieren: Habe ich das gemacht, was ich mir vorgenommen habe? Hinterher überprüft man dann. Bei all dem halte ich das Dokumentieren für sehr wichtig. Ich würde das Projekt in die Portfolioarbeit mit einbringen, in der die Lernfortschritte der Kinder festgehalten werden.

Bei Ziki steht das Entdecken der Welt über die Zeitung im Mittelpunkt: Kinder erkennen vielleicht einen Politiker, finden ein Feuerwehrauto interessant, entdecken eine Todesanzeige. So entstehen Sprechanlässe, die sonst nicht entstanden wären. Und sie arbeiten mit dem Papier: Sie basteln Kostüme und das Zeitungsmaskottchen Stimmchen. Sie machen Musikinstrumente aus Papier oder stapeln Zeitungen auf Spaghetti und erleben so, wie stabil die dünnen Nudeln sind. Wie wichtig ist dieser kreative Teil des Projekts aus Ihrer Sicht?

Schneider: Das liegt auf der Hand. Kinder entdecken die Welt mit allen Sinnen. So begreifen sie. So begreifen wir alle! Wenn ich zu Ihnen sage: „Orange“, dann wissen Sie, wovon ich rede. Denn Sie wissen, wie sie aussieht, wie sie sich anfühlt, wie sie schmeckt, wie sie riecht. Aber wir alle mussten das mit unseren Sinnen erst kennenlernen, bevor wir verstanden haben, wofür „Orange“ steht. Darum ist es pädagogisch sehr wichtig, dass ein Kind nicht nur erklärt bekommt, was eine Zeitung ist, sondern sie mit allen Sinnen kennenlernt: Wie fühlt sich das Papier an? Was kann ich damit machen? Wie reagiert es, wenn es nass wird? Wie kann ich es beschreiben? Wenn sie das machen, ist der pädagogische Nutzen viel größer, als wenn man nur erklärt, dass eine Zeitung aus Papier gemacht wird, auf das Buchstaben gedruckt sind.

Was ist mit den Eltern? Im Projekt regen wir an, dass die Kindergärten Eltern mit einbeziehen. Über einen Elternabend zum Beispiel. Es gibt auch ein Infoheft für Eltern. Und wer will, bekommt die Zeitung kostenfrei nach Hause. Aber was können Eltern generell tun? Sind zum Beispiel Experimentierbücher und Forscherkästen sinnvoll für zu Hause?

Schneider:
Das macht Sinn, wenn Eltern das kindgerecht anbieten können. Aber sie müssen dafür auch einen Zugang zum Thema haben. Naturwissenschaften sind ein tolles Feld, um Kinder zu fördern. Aber niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er sagt, mit Physik, Bio und Mathematik kann man mich jagen. Wir können nicht davon ausgehen, dass alle Eltern alles können.

Jeder vierte Heilbronner hat einen ausländischen Pass, mehr als die Hälfte einen Migrationshintergrund. Mehrsprachigkeit ist gelebter Alltag – in der Arbeit, an Schulen, in Kindergärten und Kitas. Professorin Dr. Nataliya Soultanian, Leiterin des Forums Frühkindliche Bildung Baden-Württemberg, erklärt, was notwendig ist, damit aus der Vielfalt Chancen für Kinder erwachsen und das mehrsprachige Aufwachsen als Bereicherung und gesellschaftlicher Mehrwert anerkannt wird.

Ganz grundsätzlich: Was benötigen Kinder, damit sie eine Sprache gut erlernen?

Nataliya Soultanian: Menschen benötigen andere Menschen, um Sprachen zu lernen. Der Besuch einer Kindertageseinrichtung sollte daher für alle Kinder grundlegend sein, weil er viele Kommunikationsanlässe mit Gleichaltrigen und Erwachsenen bietet.

Ist die Sprachvielfalt der Kinder in den Einrichtungen nicht auch ein Problem?

Soultanian: Ich würde uns alle einladen, insbesondere diejenigen, die im pädagogischen Bereich arbeiten, nicht diesen problemorientierten Blick aufzusetzen, sondern eine ressourcenorientierte Perspektive zu haben. Die Ausgangslage ist: Wir haben viele Familien, da werden eine oder zwei Erstsprachen gesprochen und dann kommt Deutsch als Umgebungssprache dazu. Wir können das nicht ignorieren und sagen: Wir sind hier in Deutschland, hier wird nur Deutsch gesprochen. Man sollte die Kompetenzen der Kindern in den mitgebrachten Herkunftssprachen aufgreifen und als Lernpotenzial nutzen sowie die Eltern bestärken, weiterhin mit den Kindern in ihren Erstsprachen zu reden.

Warum das?

Soultanian: Die Erstsprache ist ein wichtiges Fundament für das Erlernen weiterer Sprachen. Und je besser dieses Fundament ist, je besser sich ein Kind in seiner Erstsprache ausdrücken kann, wie vielfältig der Wortschatz ist, wie gut die Satzstrukturen sitzen, desto leichter erlernt es weitere Sprachen. Von daher müssen wir schauen, dass die Erstsprachen weitergesprochen werden. Da sind die Eltern gefragt, mit ihren Kindern in der Erstsprache zu reden, Dialoge zu führen, zu lesen und vorzulesen – das ist die beste Sprachförderung.

Und im Kindergarten?

Soultanian: Kinder lernen mit unerhörter Leichtigkeit Sprache. Das muss man im pädagogischen Kontext als wahnsinnige Ressource sehen und als Chance, sie dabei zu unterstützen. Im pädagogischen Alltag ist wichtig: Sprache lernen braucht Zeit, Raum und Personen. Die Kinder brauchen uns, brauchen Input. Brauchen ungeteilte Aufmerksamkeit. Sprache lernen geschieht am besten in kleinen Gruppen, in individuellen Kontexten. Und man muss Geduld haben. Fehler zeigen, dass ein Kind aktiv ausprobiert. Sie sind keine Schwäche.

Wie profitieren deutschsprachige Kinder von der Vielsprachigkeit?

Soultanian: Wenn sie erleben, dass in der Einrichtung eine offene, wertschätzende, aufgeschlossene Akzeptanz für die Mehrsprachigkeit gelebt wird, ist das eine sehr grundlegende Haltung, die wir Kindern vermitteln können. Andererseits setzen sich die Kinder aktiv mit verschiedenen Sprachen auseinander. Welche Sprachen gibt es? Was steht hinter einer Sprache – welche Kultur, welche Gebräuche? Indem ich Kinder einlade, sich Gedanken zu machen, profitieren alle davon.

Damit das geschieht, bedarf es der Erwachsenen, die Impulse setzen?

Soultanian:
Ja. Vieles gestalten Kinder aber auch selbst, sie haben ihre eigenen Regeln, führen selbst Regie. Pädagogische Fachkräfte können hier eine wachsame Begleitung bieten, Kommunikation zwischen den Kindern ermöglichen: viel mit ihnen sprechen, als sprachliche Stütze fungieren. Ein uraltes, aber bewährtes Medium sind Printmedien wie Bücher und Zeitungen. Mit ihnen können wir vertiefende Dialoge schaffen, die nicht nur Unmittelbares ansprechen, sondern Brücken schlagen zum Wissen der Kinder, so dass sie lernen, zu kommunizieren – über vergangene Ereignisse, über das, was noch kommt. All das brauchen sie als gute Schulvorbereitung, um dann auf einem anderen Niveau mit Texten zu arbeiten.

Welche Chancen entstehen für die Familien, die nicht originär Deutsch sprechen, wenn das Kind im Kindergarten gefördert wird und dann die deutsche Sprache zurückträgt in die Familie?

Soultanian:
Es ist grundsätzlich sinnvoll, dass die Einrichtung die Familien einlädt und einbezieht, um in den Dialog zu kommen. Die Eltern mitzunehmen, ist nicht nur in sprachlicher Hinsicht wichtig, sondern auch, um ihnen zu zeigen, wie die Kinder lernen, wie ein deutscher Kindergarten funktioniert, worauf Wert gelegt wird: auf Selbstständigkeit, auf Problemlösungskompetenz, auf soziale Kompetenzen, auf Selbstregulation, auf Dialog auf gleicher Höhe mit den pädagogischen Fachkräften, auf sehr starke Beteiligung der Kinder im Alltag.
Da sind sicherlich für viele Familien mit anderen kulturellen Hintergründen viele Aha-Effekte dabei. Und wenn sie sehen, dass das Kind schnell Deutsch lernt und dann gut kommunizieren kann und zu neuen Kontakten und Freundschaften kommt, dann ist das motivierend für die gesamte Familie, diese Mehrsprachigkeit auch zu leben.

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